„MACHEN SIE BITTE MIT“ – Erinnerungen und Perspektiven 40Jahre Neu-Olvenstedt

Walter 26. Januar 2016 0
„MACHEN SIE BITTE MIT“ – Erinnerungen und Perspektiven 40Jahre Neu-Olvenstedt

AUFRUF

Liebe Olvenstedterinnen und Olvenstedter, liebe Neubürgerinnen und Neubürger!

Wir bitte Sie, uns Ihre Erinnerungen aus 40Jahre Neu-Olvenstedt und Perspektiven für unseren Stadtteil aus Ihrer Sicht mitzuteilen, kurz und knapp, oder ausführlich, per Mail, schriftlich, oder auch mündlich.

bi-olvenstedt(ät)gmx.net

Bürgerinitiative „Olvenstedt“ e.V

Bruno-Beye-Ring 8, 39130 Magdeburg

Die interessantesten und wertvollsten Einsendungen wird eine Jury zum Sommerfest 2016 ermitteln. Wir werden diese, Ihre Zustimmung vorausgesetzt, in einer öffentlichenVeranstaltung beim Sommerfest 2016 in Auszügen vortragen, in unserer Chronik „Neu-Olvenstedt“ einbauen und auf unserer Web-Seite veröffentlichen.

Für die besten Einsendungen werden wir für Sie eine kleine Überraschung bereit halten.

Vielen Dank und lassen Sie sich nicht zu viel Zeit.

Im folgenden ein erster lesenswerter Artikel

Auszüge aus einem Brief eines Neu-Olvenstedters

an seinen Sohn Mitte der 80er Jahre, der die Wohnraumsituation darstellt und Eindrücke vom Umzug nach Neu-Olvenstedt vermittelt.

(Gekürzte Fassung, der Autor ist uns bekannt, Einverständnis zur Veröffentlichung liegt vor)

„Leider hatte unsere Wohnung in Buckau in der Nähe des Bahnhofs, die wir erst kurz vor Deiner Geburt bezogen hatten, neben dem extremen Krach und Dreck von der Eisenbahnstrecke noch weitere Nachteile. So war die Außenwand der Zimmer zum Hof (Schlafraum, Küchenraum) nach jedem Regen nass und außerdem hatten wir von Zeit zu Zeit auch „Untermieter“ in Form von kleinen Nagetieren, Mäusen. Nur der Weg zur Arbeitsstelle war günstig.

Es verging eine Menge Zeit und Kraftaufwand bis diese Übel innerhalb und außerhalb der Wohnung beseitigt waren und noch mehr Zeit bis uns endlich eine andere Wohnung angeboten wurde. Es vergingen fast 7 Jahre mit immer wiederkehrendem Szenarium, Anträge, Eingaben, Aussprachen, Beschwerden, verbunden mit Vertröstungen und Hinhalten. Dieses kannst Du alles noch nachlesen. Es ist ein dicker Aktenordner geworden.

Nach der Geburt von Deinem Bruder war diese Wohnung dann auch noch viel zu klein und so hatte man endlich mit uns ein Einsehen. Im Juli 1982, an einem sehr heißen Freitag, sind wir dann nach Neu-Olvenstedt umgezogen.

Dazwischen liegen wichtige Ereignisse, die Deine weitere Entwicklung beeinflusst haben. Da ist zunächst die tägliche Fahrt per Straßenbahn von Buckau nach Stadtfeld, zu Deinem Kindergarten. Mit Beginn Deiner Kindergartenzeit hattest Du auf einem Mal viele gleichaltrige Spielkameraden und das war für Dich doch eine sehr ungewohnte Situation. Aber Du hattest Dich sehr schnell hiermit zurechtgefunden, hattest Dich eingeordnet und warst immer ein gleichberechtigter Spielpartner, der von den übrigen Kindern akzeptiert wurde. In Deiner geistigen Entwicklung warst Du den meisten Kindern Deines Alters überlegen.
Jetzt machte es sich bezahlt, dass Du die ersten 3 Lebensjahre zu Hause verbringen konntest.
(Anmerkung des Autors von 1995: ohne dass deine Mutter ihren Arbeitsplatz verloren hat).

Die Abschlussbeurteilung durch Deine Kindergärtnerin brachte das ganz deutlich zum Ausdruck.

Mit Deiner Einschulung änderte sich Dein Tagesablauf ganz wesentlich. Jetzt stand der tägliche Weg zur „Heinrich-Heine-Oberschule“ (Thiemstraße), einem recht alten, renovierungsbedürftigen Gebäude, am Anfang eines jeden Schultages. Es kamen viele neue Forderungen und Wünsche hinzu, die bestimmt nicht immer einfach waren, zu erfüllen. Neben deiner netten und sympathischen Klassenleiterin hattest du es mit vielen zu Anfang fremden Kindern zu tun. Aber nach kurzer Eingewöhnungsphase hattest du dich darauf eingestellt, was nicht zuletzt Deine guten Noten beweisen.
Das 1.Schuljahr verging doch recht schnell und problemlos und du warst doch sehr gespannt, wie es im zweiten weitergehen würde, vor allem, da wir seit Anfang 1982 von dem bevorstehenden Umzug nach Neu-Olvenstedt Kenntnis hatten, womit natürlich auch eine Umschulung verbunden sein würde.

So hatten wir rechtzeitig schon einige Male den Baufortschritt nördlich der Olvenstedter Chaussee begutachtet, obwohl wir noch nicht die Zuweisung hatten.
Beim ersten Besuch waren wir nach einem Spaziergang nicht in Neu-Olvenstedt sondern im Neustädter Feld gelandet. Diese Wohnungen sagten uns überhaupt nicht zu.
Beim nächsten Sonntagspaziergang hatte es dann geklappt.
Über die Olvenstedter Chaussee nach Norden blickend konntest du von weitem dein neues Zuhause schon erahnen. Über Ackerland und Bauland näherten wir uns den damals schon übergebenen Wohnblöcken der Straße des X. Parteitages (Johannes-Göderitz-Straße). Vom gesamten Gorkiplan war nur der Gorkierhof und deine Schule im Rohbau (Valerie-Tschkalow-Oberschule, GS „Am Fliederhof) fertig. In dieser Baulandschaft war der Querblock im Gorkierhofs (in Nord-Südrichtung), der den Innenhof abschließt, schon an die Mieter übergeben.
Ansonsten existierten nur die schon bewohnten Gebäude der Straße des X. Parteitages (Johannes-Göderitz-Straße) in Nord-Südrichtung von der heutigen kleinen Kaufhalle bis zum später angelegten Jugendklub (Technikhaus Gündel) am Ausgang nach Nordwest (Texas).

Zum Zeitpunkt unseres Umzuges im Juli 1982 war dann auch gerade ein halbes Jahr vergangen nachdem die ersten Wohnungen in diesem größten Neubaugebiet des Bezirkes Magdeburg (nach Fertigstellung 14000 Wohnungen und 40 000Einwohner) übergeben wurden.

An der Fertigstellung Deiner Schule musste dann bis zum letzten Tag gearbeitet werden, um sie fristgerecht zum Schuljahresbeginn 1982/83 ihrer Bestimmung übergeben zu können.
Aber es wurde geschafft, wenn auch die gesamte Umgebung mehr nach einer Baustelle als nach einer „Kulturlandschaft“ aussah. Die Außenanlagen, einschließlich Schulhof und Spielplätze, wurden erst nach und nach in Angriff genommen. Es war schon eine richtige „Mondlandschaft“.

Man konnte unseren Wohnblock nur über den Hofeingang betreten.
So vollzog sich der Umzug dann auch auf dem staubigen Hof. Es sah schon putzig aus, wie hier auf größerer Fläche die einzelnen Haushaltsgegenstände abgestellt waren und darauf warteten, bei diesen sommerlichen Temperaturen fünf Etagen hoch transportiert zu werden.

Einzige Verbindung zur Stadt war die verlängerte Buslinie 52 (Endstelle – Technikhaus Gündel), die man an regnerischen Tagen nur über Umwege um deine Schule herum halbwegs trocken erreichen konnte.

Einzige Kaufhalle war eine kleine Baracke am Olvenstedter Scheid, in der Nähe der Großkaufsstelle, die der Bauarbeiterversorgung diente.

Bald danach wurde eine zweite Busverbindung nach Neu-Olvenstedt eingerichtet, wobei die Endstelle unmittelbar vor unserem Eingang in der Hans-Grade-Straße lag und für uns ziemlich günstig war
.
An den Außenanlagen wurde dann ab 1983 intensiv gearbeitet, die Zugänge zu den Haupteingängen der Wohnblocks geschaffen, Platten verlegt, Grünanlagen angelegt. Nun sah es wesentlich angenehmer aus.

Mit der Übergabe der kleinen Kaufhalle im Süden des Gorkiplans wurde in Bezug auf die Versorgung mit Lebensmitteln ein Anfang gemacht und man brauchte nicht mehr alles von weiter weg holen.

Bis zum heutigen Aussehen des Neubaugebietes vergingen aber noch Jahre.“

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